Tod des Egos
Liebe ist der Tod des Egos.
So hallt es in meinen Ohren nach.
Monatelang habe ich geglaubt, ich wäre Herr geworden.
Herr über meinen eigenen Verstand.
Damals, als ich dich das erste Mal erblickte, klopfte sie leise an die Kerkertür.
Und ich entließ sie aus der Tiefe, in die ich sie einst gesperrt hatte.
Meine Liebe.
Sie ruhte wieder sanft auf mir, führte mich zurück auf meinen Weg –
einen Weg, der bereits Spuren im roten Sand der Wüste trägt,
wartend darauf, dass ich sie weiterführe.
Gleich deiner Hand auf meiner Taille,
als du neben mir standest
und ich in deinen Augen meine Welt erblickte.
Du warst mir ein Spiegel.
Doch wirst du jemals selbst in ihm erscheinen?
Ich sehe dich.
Doch du hast dich abgewandt.
Du gehst nun einen anderen Weg –
um andere Erfahrungen zu sammeln.
Hatten wir das einst so abgesprochen?
Als wir über den Wolken unsere nächste Geschichte suchten,
um eine weitere Möglichkeit von unendlich vielen zu erleben.
Verdrängung.
Mein Ego ist wieder einmal auferstanden,
kämpft um seinen Platz.
Doch es wird keinen finden.
Nicht mehr.
Ich lasse es wüten und weinen,
diskutieren und zweifeln.
Doch meine Liebe –
sie bleibt.
Wie das Funkeln in deinen Augen,
das dein reines Herz widerspiegelte,
an dem Abend,
als wir frei und glücklich im Mondschein
die Melodie der bedingungslosen Liebe tanzten.
„Ich muss dir erst alles nehmen,
damit ich dir etwas vollkommen Neues geben kann",
höre ich den alten, weisen Mann sagen.
Doch warum gibst du mir dann erst etwas dazu,
wenn du es mir am Ende doch wieder wegnimmst?
„Alles ist in dir", erklärte er weiter.
„Du kannst nichts verlieren."
„Um es zu erleben, musst du es von dir trennen."
Warum dann überhaupt erleben wollen, frage ich mich.
„Weil das Ganze sich nur durch seine einzelnen Teile selbst erfahren kann."
Selbst der Schmerz hat etwas Schönes.
Und ohne ihn?
Wo wäre die Liebe dann?